3. Mai 2018, 18 Uhr, DuMont Berliner Verlag | Experten: Annette Weber und Markus Stache, DuMont Buchverlag | Wie entsteht ein Buch? Wie finden eigentlich Autor und Verlag zusammen? Was passiert im Lektorat? Wer denkt sich aus, wie ein Buch aussieht? Und wie kommt es dann auf den Büchertisch in der Buchhandlung? Wie in den digitalen Shop und als E-Book auf den Reader? All diese Fragen haben Markus Stache, kaufmännischer Geschäftsführer des DuMont Buchverlags, und Annette Weber, Programmleitung Belletristik, im Rahmen des Open Networks in Berlin am Beispiel der Bücher des weltbekannten japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami beantwortet.

Haruki Murakami wird in diesem Jahr nicht den Literatur-Nobelpreis bekommen. Das liegt nicht an seinem Werk, das höchst preiswürdig ist, steht doch jedes Jahr sein Name auf den Listen der Wettbüros. Das liegt auch nicht an seinem deutschen Verlag, der alles dafür tut, dass seine Literatur angemessen zu den deutschsprachigen Lesern kommt und erfolgreich verkauft wird. Es ist die schwedische Akademie, die wegen des Missbrauchsskandals in diesem Jahr die Preisverleihung aussetzt.

Wie Murakami mit seinem neusten, in zwei Teile aufgegliederten Roman „Die Ermordung des Commendatore“ zum Bestseller wurde, konnte man im Rahmen des Open Networks im Newscafé in Berlin erfahren. Markus Stache, kaufmännischer Geschäftsführer des DuMont Buchverlags, und Annette Weber, Leiterin von dessen belletristischem Programm, ließen sich von der Literaturredakteurin der Berliner Zeitung Cornelia Geißler ausfragen. Außerdem kamen viele Anregungen zum Gespräch aus dem Publikum.

Dabei ging es natürlich nicht allein um den vielgelobten Autor aus Japan. Markus Stache stellte die Entwicklung des Verlags dar. Er beschrieb den glücklichen Weg des literarischen Programms seit 1998, erzählte von der Planbarkeit des Erfolgs und den Überraschungen. Denn dass Mariana Leky nach den Romanen „Die Herrenausstatterin“ und „Erste Hilfe“ mit dem im vergangenen Sommer erschienenen Buch „Was man von hier aus sehen kann“ dermaßen gut ankommen würde bei Buchhändlern und Lesern, hatte man im Verlag nicht ahnen können. Die unabhängigen Buchhandlungen wählten den Roman zum Lieblingsbuch des Jahres 2017 und Mariana Leky zur Autorin des Jahres 2017.

Bei Murakami war natürlich schon eher damit zu rechnen, dass es ein Bestseller würde. Die Marketingabteilung hat ihren Anteil: Sie meldete den Buchhandlungen vorab, dass nur die erste Auflage in einer besonderen Ausstattung mit Farbschnitt erscheint (das sind die nachtblauen Seitenkanten). So waren diese interessiert, besonders viel zu bestellen. Benutzt wurden u.a. auch das gute alte Werbemittel der Litfaßsäule und die modernen wie Facebook und Instagram. Der Fußball-Nationalspieler Mats Hummels, dessen Name schon in der Ankündigung der Veranstaltung im Intranet auftauchte, gab sich dabei als Murakami-Fan zu erkennen.

Annette Weber erzählte, wie wichtig es ist, dass Murakami direkt aus dem Japanischen übersetzt wird und nicht auf dem Umweg übers Englische ins Deutsche kommt. Und wie wichtig es ist, schnell mit der Übersetzung auf dem Markt zu sein, schneller zum Beispiel als sein englischer Verlag. Haruki Murakami wird vom Verlag intensiv betreut. So besonders und wohl überlegt die Covergestaltung ist – in die Produktion geht sie erst, wenn der Autor ihr zustimmt. Die Programmchefin erzählte auch von den Arbeitsabläufen. Während in der Zeitung von Tag zu Tag produziert wird, ist das Buchprogramm für den kommenden Herbst schon so gut wie fertig.

Die Speaker

Annette Weber arbeitet nach Stationen bei S.Fischer und Droemer Knaur seit 2015 im DuMont Buchverlag. Sie hat die Programmleitung Belletristik inne.

Markus Stache ist seit 1993 für DuMont tätig. Nach verschiedenen Stationen im Haus, ist er seit 2010 kaufmännischer Geschäftsführer im DuMont Buchverlag.