15. Mai 2018, 17.30 Uhr, Köln | Experte: Dr. Stefan Strauss, Geschäftsführer STRAUSSMEDIA | Wie kaufen wir in ein paar Jahren ein? In großen Shopping-Center? In der Einkaufsstraße in der Innenstadt? Bei Amazon? Oder vielleicht bei einem ganz anderen Anbieter, den jetzt noch niemand im Blick hat? Das waren die Fragen, die beim Open Network in Köln gestellt wurden, als Dr. Stefan Strauss, Geschäftsführer der Kölner Marketing-Agentur Straussmedia, und Ulrich Clemens, Kommunikationschef von Scanblue, zu Gast waren. Was macht eine gute digitale Customer Journey aus? Welche Techniken gibt es aktuell? Welche stehen in den Startlöchern?

Strauss begann zunächst mit einer allgemeinen Einordnung: 85 Prozent der Kunden finden den Weg in Online-Shops über die Plattformen von vier Unternehmen: Google, Apple, Facebook und Amazon. Dass statt der Konzerne, die in Deutschland kaum bis keine Steuern zahlen, deutsche Alternativen wie beispielsweise Idealo nicht genutzt werden, liegt Strauss zufolge insbesondere an der einfachen Handhabung der Marktführer-Produkte.

Strauss machte keinen Hehl daraus, dass er die Zukunft des Einkaufens nicht im stationären Handel sondern beim E-Commerce sehe. Und in diesem Zusammenhang stellte er vier Thesen auf:

1. Online-Shopping findet zukünftig nicht mehr zwei-, sondern dreidimensional statt. Insbesondere wenn Amazon mitspielt, wird Kunden so ein neues Einkaufserlebnis geboten.

2. Sollten die Branchengiganten den Einsatz von Virtual Reality auf ihren Plattformen ermöglichen, werden die entsprechenden Datenbrillen wichtige Einkaufshilfen und in immer mehr Haushalten zu finden sein.

3. Auch der Einsatz von Augmented Reality wird zum Standard. Bei dieser „erweiterten Realität“ werden virtuelle Gegenstände in den tatsächlichen Raum projiziert – Deko-Gegenstände können schon einmal auf die Fensterbank gestellt, Hüte virtuell anprobiert werden. Ikea hatte das in der Vergangenheit bereits angeboten, in anderen Ländern wurde die Option gut angenommen. In Deutschland stellte das Unternehmen sie ein, weil nur 1,5 Prozent der Kunden sie hierzulande nutzten.

4. Deutschland wird „wie immer“ drei bis fünf Jahre länger brauchen, um den Anschluss an die Vordenker im digitalen Shopping der Zukunft zu finden.

Strauss machte auch deutlich, dass der Einkauf nicht mehr mit dem Einkauf endet. Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, leuchtet nach der Erklärung des Experten ein: „Mit diesem ersten Einkauf kennt der Anbieter schon etwas den Geschmack und die Interessen des Kunden. Anhand dieser Informationen können ihm problemlos weitere Einkaufsvorschläge gemacht werden.“

Außerdem betont Strauss, dass digitale Sprachassistenten wie Amazons Alexa unser Kaufverhalten revolutionieren werden: „Mit diesen Geräten sprechen wir tatsächlich wie mit Menschen. Das senkt die Hemmschwelle beim Einkauf. Für mich ist es nur logisch, dass Amazon so intensiv auf digitale Sprachassistenten setzt. Das ist aus meiner Sicht ein Teil der Zukunft beim Online-Shopping.“

Die Speaker

Dr. Stefan Strauss ist Geschäftsführer und Gründer der Marketing- & Facebook- & Social-Media-Agentur STRAUSSMEDIA GmbH mit Sitz in Köln.

Ulrich Clemens ist Kommunikationschef von Scanblue.