12. April 2018, Halle | Experte: Steffen Jecke, Head of Social Media bei Projecter | Natürlich saß Mark Zuckerberg auch am Donnerstagabend beim Open Network in Halle auf der Anklagebank – allerdings nur auf der Videoleinwand im Newsroom der Mitteldeutschen Zeitung. Der Facebook-Chef vor dem Senatsausschuss – das war die erste Folie, die Steffen Jecke bei seinem Vortrag „Social Media 2018 – von Feed Updates, Facebook Ads und Influencer-Kampagnen“ präsentierte. Und um den Internetriesen und seine Entwicklung ging es dann auch im ersten Teil des Abends.

„Die Gefahr für Facebook ist, dass es wie Rauchen wird – ungesund und uncool“, meint der Social Media-Experte der Leipziger Marketing-Agentur Projecter. Die Plattform habe gerade zahlreiche Probleme: Hate Speech, Diskriminierungen und – für Medienunternehmen bedeutend – Fake News. „Es ist derzeit ziemlich unruhig“, sagt Jecke. Der letzte Höhepunkt sei der Cambridge Analytica-Skandal gewesen, bei dem Facebook Daten seiner Nutzer weitergab – was Zuckerberg erst vor den Senat und dann vor das Repräsentantenhaus brachte. „Die werden mittlerweile auch für Wahlausgänge verantwortlich gemacht – das ist schon Wahnsinn.“

 

Die Plattform sei aber auch einen großem Wandel unterworfen. „Früher war Facebook primär ein Soziales Netzwerk“, sagt Jecke. Heute werde die Seite mehr als ein Nachrichten- und Unterhaltungsportal wahrgenommen. „Bei den persönlichen Nachrichten ziehen sich die Nutzer eher auf Messenger wie WhatsApp zurück.“ Es sei ein gewisser Sättigungseffekt zu erkennen, auf den Facebook aber auch reagiere. So wurde zuletzt der Algorithmus für den persönlichen Feed verändert. Für Jecke werde künftig vor allem die Qualität bedeutender: „Ich bin überzeugt, dass es sich immer mehr lohnen wird, viel Anstrengung in Inhalte zu stecken“, so der Medienexperte.

Anschließend unternahm er eine kurze Tour durch die Social Media-Welt: Twitter habe gerade sein Deutschlandbüro aufgelöst – „das sagt alles über die Zukunft von Twitter in Deutschland.“ Xing als Karriereportal werde von LinkedIn eingeholt – und bald wohl überholt. SnapChat sei bei der jungen Zielgruppe beliebt und YouTube werde oft unterschätzt. Die Videoplattform habe so viele Nutzer wie Facebook. „Unternehmen tun sich allerdings schwer, über ihren eigenen Kanal Nutzer aufzubauen“, sagte Jecke.

„Es gibt weltweit 4,2 Milliarden Zahnbürsten und 4,8 Milliarden Mobiltelefone“

Das liege auch daran, dass sich die Nutzerschaft extrem gewandelt hat und dass das erst bei den Werbenden erkannt werden muss. „2019 gehören 50 Prozent der Arbeitnehmer zur Generation Y“, erklärt Jecke. Das bedeute, sie legen viel Wert auf Individualität und Vereinfachung. Hinzu komme eine extreme Zunahme von mobilen Endgeräten: „Es gibt weltweit 4,2 Milliarden Zahnbürsten und 4,8 Milliarden Mobiltelefone“, so Jecke. Aber vielleicht könne man mit dem nächsten iPhone ja auch Zähne putzen.

Zumindest müssten sich Unternehmen immer intensiver Gedanken über eine Digitalstrategie machen. Eine modernere Form der Online-Werbung, mit der Jecke auch bei Projectr arbeitet, stellte er am Ende seines Vortrags vor: das Influencer-Marketing. Dabei werben Internetpersönlichkeiten, die in den sozialen Medien eine hohe Reichweite haben, für ein Produkt. „Bei manchen Influencern ist mittlerweile jeder dritte Post gesponsert“, so Jecke.

Gutes Influencer-Marketing

Das allerdings würden die Nutzer auch merken, weswegen er empfiehlt, auf die Authentizität der Inhalte zu achten. Als Negativbeispiel zeigte er eine Influenzier-Werbung des Waschmittels Coral. Auf einem veröffentlichten Bild ist eine halbnackte Frau zu sehen, die verdreckt und mit einer Cola-Flasche in der Hand vor einer Waschmaschine posiert. „Wie aus dem Leben gegriffen“, kommentiert Jecke spöttisch.

Als Gegenbeispiel erzählte der Digitalexperte aus Leipzig von einer Kampagne, die er für ein Klassenfahrt-Unternehmen gestaltet hat. Dabei setzten sie auch auf Influencer. Einer erzählte in einem Video von den schlimmsten Situationen bei Klassenfahrten. Das Video, mit dem auch für den Veranstalter Werbung gemacht wird, hat schon über 400 000 Views. „Und das Gute an diesem Video ist“, meint Jecke. „Dass es nicht verschwindet, wenn man nicht mehr dafür bezahlt.“ Es bleibe weiter online und durch die Views auch weit oben im Ranking. „Und so verbreitet sich die Werbebotschaft immer weiter.“

Über den Speaker

Steffen Jecke ist seit 2012 Teil des Teams und fungiert aktuell als Head of Social Media (vorher Head of SEA) bei Projecter.
Sein Aufgabenfokus liegt in den Bereichen Social Media, digitales Advertising und ganzheitliches Online Marketing Consulting. In dieser Tätigkeit arbeitet er u.a. eng mit ProSiebenSat.1 Media zur Bewertung und Weiterentwicklung ihrer digitalen Kanäle zusammen. Außerdem unterstützt er die digitalen Auftritte von Publikumszeitschriften aus dem Haus Burda und steigerte die internationalen Umsätze von Carhartt maßgeblich.
Darüber hinaus investiert Steffen Jecke seine Energie in die strategische Weiterentwicklung der Agentur und ist regelmäßiger Gastautor (u.a. T3N, allfacebook.de) sowie Speaker (u.a. AllFacebook Marketing Conference, OMCap) und Dozent (Uni Leipzig, Leipzig School of Media).