12. April 2018 in Köln | Experte: Leiter des Produktmanagements bei MasterCard bei MasterCard Europe | Spielt Bargeld in ein paar Jahren womöglich keine Rolle mehr? Hat vielleicht sogar die Kreditkarte in nicht allzu langer Zeit keine Bedeutung mehr? Gehen wir irgendwann in den Supermarkt, nehmen uns die Ware und verlassen das Geschäft wieder, ohne einen bewussten Bezahlvorgang getätigt zu haben, weil Kamerasysteme mit hoch entwickelter Gesichtserkennungssoftware den Kunden identifizieren können und der Einkauf so direkt von dessen Konto abgebucht werden kann? Oder kommt alles doch anders, als wir es uns heute vorstellen können? Wie bezahlen wir in der Zukunft?

Christian Rau, Leiter des Produktmanagements bei MasterCard, hat am Donnerstabend im Rahmen des Open Network in Köln einen tiefen Einblick in die Bezahlmethoden der Zukunft gegeben. Er hat dabei nicht in die berühmte Glaskugel geschaut, er hat viel mehr deutlich gemacht, was heute schon Realität ist und was sich daraus entwickeln wird.

Bezahlen und bestellen am Roboter – schnell, zuverlässig, freundlich, unterhaltsam

Und Rau hatte auch einen ganz speziellen Gast dabei – den Bezahlroboter Pepper, der ganz am Ende seinen großen Auftritt hatte. Über ihn konnten die zahlreichen Gäste und DuMont-Mitarbeiter schon einmal probieren, wie man tatsächlich vielleicht in ein paar Jahren bezahlt. Pepper hatte ein paar Test-Applikationen am Start, über die man zum Beispiel eine Bestellung im Schnellrestaurant aufgeben oder ein Flugticket buchen kann. Dank intelligenter Algorithmen kennt Pepper auf fast jede Frage eine Antwort und kann dem Kunden das bestmögliche Angebote heraussuchen – schnell, zuverlässig, freundlich, unterhaltsam.

MasterCard-Experte Rau machte deutlich, dass das nicht nur eine nette Spielerei ist, sondern womöglich ein Aspekt beim Bezahlen in der Zukunft. Allerdings erklärte Rau auch, dass wir in diesem Zusammenhang noch ganz am Anfang stehen: „Der Prozess des Umbruchs hat gerade erst begonnen. Wir stehen ganz am Anfang einer spannenden Entwicklung.“

„Die Bezahlung mit Bargeld macht heutzutage kaum noch Sinn“

Rau betonte, dass gerade das Thema Payment ein sehr heikles sei: „Wenn es ums Geld geht, sind die Menschen richtigerweise sehr vorsichtig. Da vertrauen viele lieber den gängigen Methoden, die sich als sehr zuverlässig erwiesen haben. Trotz aller technischen Möglichkeiten werden heutzutage nur drei von zehn Transaktionen per Online-Banking abgewickelt.“ Rau machte aber auch deutlich, dass sich das aus seiner Sicht bald ändern werde: „Es macht kaum noch Sinn, dass man zu einem Automaten geht, und sich dort Bargeld abholt. Kurz darauf geht man in den Supermarkt und gibt dort dem Kassierer das Bargeld, das dann wiederum in einem Automaten landet, denn nichts anderes ist eine Kasse.“ Aufwand und Nutzen würde bei solch einer Transaktion in keinem Verhältnis stehen.

Aber wohin geht dann mittelfristig der Weg? Egal was kommt, eines ist klar: es muss absolut sicher, zuverlässig und möglichst intuitiv sein. Finanzdienstleister und Händler suchen inzwischen seit Jahren nach der neuesten Technik und den besten Innovationen. Aber geht das überhaupt? Sicher und gleichzeitig schnell und bequem? Oder ist das schon der entscheidenden Widerspruch, der jeden Fortschritt verhindert? Rau ist sich sicher, dass die zunehmende Digitalisierung zu immer mehr Daten führt, die ein ganz entscheidendes Mittel beim Schritt in die Zukunft sein werden.

Werden auch Plastikkarten überflüssig?

Schon heute kann fast jedes mit dem Internet verbundene Gerät einen Bezahlvorgang durchführen. Smartphones sind permanent mit dem Internet verbunden. Immer wichtiger werden auch sprachgesteuerte Geräte wie Amazons Alexa oder Google Home. Werden die Plastikkarten also überflüssig? Vielleicht, aber wahrscheinlich ist das nicht. Denn die Technologie bietet genau das, was der Kunde wünscht: sie ist ziemlich sicher, die Handhabung ist einfach.

Trotzdem wird sich das Banking nach und nach strukturell verändern. Schon jetzt gibt es Dienstleister wie „Paypal“ oder „Sofort Überweisung“. In anderen Ländern ist „Apple Pay“ oder „Google Pay“ längst etabliert. Bis es in Deutschland eingeführt wird, kann es nicht mehr allzu lange dauern. Viele weitere werden in Zukunft hinzukommen. Aber das ist nur der Anfang. Die Zukunft ist vielleicht Pepper. Die Zukunft liegt vielleicht in der Biometrie. Oder die Zukunft sieht vielleicht ganz anders aus, als wir sie uns heute vorstellen können.