21.09.2018, Köln | Experte: Christian Zabel, Professor für Innovationsmanagement und Unternehmensführung an der Technischen Hochschule Köln |

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Christian Zabel (21. September 2017 in Köln). Die wichtigsten Learnings:

  • Das klassische Fernsehen steckt in der Krise! Obwohl die Anzahl neuer TV-Produktionen konstant steigt, geht die lineare TV-Nutzung der unter 30-Jährigen stark zurück:
    Die veränderte Mediennutzung schlägt auch im TV-Markt durch. Über 50 Prozent des TV-Konsums ist nicht mehr linear.
  • Online-Video-Inhalte gibt es im Überfluss. Auch private Nutzer liefern immer mehr Content. Plattformen wie YouTube wachsen deshalb stetig und sind erfolgreich. Einzelne Channel mit mehr als einer Million Subscribern sind keine Seltenheit mehr:
    Die Medienproduktion explodiert. Alleine in Deutschland gibt es ca. 30.000 aktive YouTuber. Und das sind keine Amateure. Die Konkurrenz – vor allem auch die kostenlose Konkurrenz – ist riesig.
  • Durch die steigende Relevanz und Nutzung der Online-Videos eröffnen sich inhaltlich und formell neue Chancen.  So erfreuen sich Livecasts oder VR-Erlebnisse immer größerer Beliebtheit und ermöglichen Zugang zu großen Zielgruppen:
    Es entwickeln sich völlig neue Formate.Ein gutes Beispiel ist die Plattform twitch.tv – dort geht es 24 Stunden lang um Videogames. Man kann den Spielern beim Zocken zuschauen oder über die Spiele diskutieren. Unter männlichen Jugendlichen ist twitch.tv das neue RTL. Neue und angesagte Formate sind neben Gaming auch Fiktion und Daily Drone.
  • Nur wenige Plattformen setzen sich konsequent durch. Hierbei ist vor allem deren Größe entscheidend:
    Auch in Deutschland prägen die zwei Anbieter Amazon Prime und Netflix den Markt der Online-Videotheken. Mit großen finanziellen Mitteln (4 bis knapp 7 Mrd. Euro) investieren diese in eigene Produktionen und Lizenzrechte und bleiben so für den Kunden attraktiv. Hierbei wird der Fokus klar auf aufmerksamkeitsstarke Titel gelegt, wobei die Kataloggröße insgesamt schrumpft. Online-Anbieter dringen auch in den Sportmarkt vor.
  • Abgesehen von den Plattformen werden Communities erfolgreich sein. Über neue Serien und Inhalte wird sich in der Community rege ausgetauscht und Fanficition-Stories oder Podcasts zu aktuellen Veröffentlichung erfreuen sich großer Beliebtheit:
    Die Serien werden von Fans im Netz fortgeschrieben. Auch ausgefallene Ideen können erfolgreich sein. Beispiel: Die Oma, die auf einem Gaming-Kanal Märchen vorliest.
  • Online-Video ist mehr als Inhalt. Es muss ein Erlebnis sein!  Erfolgreiche Kanäle und Personen nutzen für Ihre Videos mehr als nur eine Plattform. Beispielsweise wird auf Facebook Werbung gemacht, das Video dann live gestreamt und die Highlights später auf YouTube als separates Video veröffentlicht. So wird nicht nur die Werbetrommel gerührt und ein Video angekündigt, sondern auch Klicks auf verschiedenen Plattformen gesammelt:
    Man muss differenzieren zwischen Zuschauern und Fans. Zuschauer sind nach der Sendung auch gedanklich wieder weg, Fans beschäftigen sich weiter mit dem Medium und den Inhalten. Auf Online-Plattformen ist im Nachgang die Interaktion mit den Fans meist problemlos möglich. Das trägt zur Bindung bei.
  • Online-Video kann nicht nur über Werbung refinanziert werden:
    Die Werbeclips vor den YouTube-Videos bringen kein Geld. Man muss die Inhalte nutzen, um die Beziehung zum Nutzer zu intensivieren – zum Beispiel durch Veranstaltungen. Möglichkeiten, um Einnahmen zu generieren sind: Produktplatzierungen, Sponsoring. Ein weiteres gutes Beispiel: Ein Kölner Anwalt hat einen regelmäßigen und kostenlosen Videoblog auf YouTube, auf dem er konkrete Fälle bespricht und erklärt. Am Ende eines jeden Beitrags steht eine Telefonnummer, unter der er zu erreichen ist. Auf diesem Weg schafft er Öffentlichkeit, macht auf sich aufmerksam und gewinnt neue Kunden.
  • Erfolgreiche Anbieter brauchen mehr als Content-Expertise. Vorliegenden Daten müssen effektiv genutzt werden:
    Kundendaten sind auch beim Online-Video das Zauberwort. RTL beispielsweise kann nur grob einschätzen, wer die Zuschauer sind. Online-Videotheken haben einen viel besseren Einblick und können schnell reagieren oder weiteres Material den Interessen des Kunden entsprechend anbieten.

Über den Speaker:

Prof. Dr. Christian Zabel ist Professor für Innovationsmanagement und Unternehmensführung an der Technischen Hochschule Köln. Er forscht, publiziert und berät seit über zehn Jahren zu digitaler Strategie und Transformation, insbesondere in der Medienbranche (v.a. im Bereich Online Video und Innovationsmanagement). Bis Ende 2014 leitete er das Produktmanagement von t-online.de, Deutschlands größtem General-Interest-Portal. Von 2009 bis 2012 begleitete er als Assistent des Vorstandsvorsitzenden, René Obermann, strategische Medienkooperationen der Deutschen Telekom AG, v.a. im Bewegtbildbereich. Zuvor leitete er Forschung & Beratung der Medienberatung HMR International und arbeitete als Journalist für Fachmedien und TV. Christian Zabel studierte Journalistik in Dortmund und Brüssel sowie Politikwissenschaften in Paris und promovierte zum Innovationswettbewerb im deutschen TV-Produktionssektor.