08.06.2017, Köln | Experten: Sandro Stark und Thomas Heigl, Mitarbeiter Microsoft |

Welche Chancen bietet die Digitalisierung? Welche Risiken sind damit gleichzeitig verbunden? Auch nach dem dritten „Open Network“ in Köln waren sich alle Kolleginnen und Kollegen hinterher einig, dass es eine gelungene Veranstaltung war. Zunächst gingen Thomas Heigl und Sandro Stark von Microsoft auf die Entwicklung der Technologisierung in den vergangenen 40 Jahren ein und wagten auch einen Ausblick in die Zukunft. Im Anschluss zeigten Maren Courage und Oliver Autumn vom VR Business Club im Praxisteil, welche Möglichkeiten schon heute die virtuelle Realität bietet. Viele Kolleginnen und Kollegen nutzten die Gelegenheit, um die HoloLens von Microsoft auszuprobieren.

Heigl und Stark machten zunächst deutlich, dass Microsoft mittlerweile viel mehr ist als nur Windows und Office: „Auch wir haben eine Transformation durchlaufen. 60 Prozent unseres Umsatzes generieren wir inzwischen aus komplett neuen Bereichen.“ Und das sei nur möglich gewesen, weil man auch Fehler gemacht habe. „Das war ausdrücklich erwünscht“, sagte Heigl. „Fehler zu machen ist ein Prozess und damit wichtig für den Fortschritt. Nur wer mutig ist und Fehler macht, kann sich weiterentwickeln.“ Entscheidend sei zudem, dass man Partnerschaften eingehe: „Es ist ganz wichtig, dass man sein Produkt dorthin bringt, wo der Kunde ist. Für uns war es lange nicht vorstellbar, dass wir unsere Office-Anwendungen für Apple-Geräte anbieten. Aber irgendwann hat ein Umdenken stattgefunden. Inzwischen sind so viele Nutzer bei Apple, dass das der einzig sinnvolle Weg war.“

Beide waren der eindeutigen Meinung, dass auch Medienunternehmen neue Wege gehen müssen. Als Beispiel nannte Stark den Fernsehmarkt: „Noch kommt ein Großteil der Einnahmen über Werbung rein. Aber wie lange noch? Youtube und all die anderen Kanäle im Internet sind eine riesige Konkurrenz. Früher war es nahezu unmöglich, selbst einen Fernsehsender zu gründen. Heutzutage kann jeder bei Youtube Videos hochladen. Es ist total einfach geworden, seine eigene Plattform zu gründen.“ Ähnliches gelte auch für eine Medienunternehmen wie DuMont: „Früher war die Zeitung das Non-plus-Ultra. Jeder hat sich dort informiert. Heute ist das nicht mehr nötig, weil es ganz andere Kanäle gibt. Das ist die Realität. Oft kann der eigene Erfolg zum Problem werden, weil man den Blick für den Markt verliert. Auch hier gilt: Man muss sich öffnen und neue Wege suchen.“

Und als Heigl und Stark den Blick in die Zukunft richteten – und dabei speziell auf Virtual Reality zu sprechen kamen -, übernahmen auch schon Maren Courage und Oliver Autumn vom VR Business Club das Mikrofon. Sie zeigten konkret auf, welchen Mehrwert die virtuelle Realität für Verlage haben kann. Grundsätzlich sei VR ein spannendes Tool, um neue Medienangebote zu testen, sagte Courage. Sehr intensiv werde VR bereits für das interaktive Lernen genutzt: „Besonders intensiv wird es bereits in der Automobil-, der Tourismus-, der Telekommunikations- und vor allem der Gaming-Branche genutzt. Das sind derzeit die Treiber. Aber die Verbreitung wird immer größer.“ Es gebe Schätzung, dass 2025 weltweit 80 Milliarden Dollar für VR-Geräte umgesetzt werden. Das entspreche dem aktuellen Wert für TV-Geräte.

„Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von virtueller Realität ist, dass es echte Zusatzinhalte mit Mehrwert gibt“, betonte Autumn. „Das Thema VR darf nicht nur mitlaufen, es muss von Anfang an in den Entstehungsprozess eines Produktes mit eingeplant werden. Die Digitalisierung eines analogen Produktes ist nicht das entscheidende und ausreichende Kriterium für den erfolgreichen Einsatz. Viel wichtiger ist die digitale Denke. Nur wenn die da ist, wird man damit erfolgreich sein können.“

Sie wollen bei der nächsten Open Network-Veranstaltung dabei sein? Dann melden Sie sich einfach über open_network@dumont.de mit Betreff „Open Network“ an.

Zusammenfassung des Vortrags von Sandro Stark und Thomas Heigl (8. Juni 2017 in Köln und 22. Juni 2017 in Berlin). Die wichtigsten Learnings:

  • Fehler zu machen ist ein Prozess und damit wichtig für den Fortschritt. Nur wer mutig ist und Fehler macht, kann sich weiterentwickeln.
  • Erfolg kann manchmal zum Problem werden, weil man den Blick für den Markt verliert.
  • Grundsätzlich gilt: Man muss immer bereit sein, sich öffnen und neue Wege zu suchen.
  • Entscheidend ist es, Partnerschaften einzugehen, ggf. auch mit Mitbewerber im Markt. Davon können meist beide Seiten profitieren.
  • Man muss es schaffen, sein Produkt grundsätzlich dorthin zu bringen, wo der Kunde ist. Ein anderer Weg wird nicht zum Erfolg führen.
  • Als Unternehmen braucht man eine Vision, die man an die Mitarbeiter kommunizieren muss. Nur so kann man sie mitnehmen auf den Weg.
  • Wenn ein Markt sich nicht mehr weiterentwickelt, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, wo sich ein neuer Markt eröffnet.
  • Der Blick zurück kann ein sinnvolles Mittel sein, um zu erahnen, was die Zukunft bringen könnte.
  • Künstliche Intelligenz ist eines der großen Themen in der näheren Zukunft.
  • Die Erfahrung zeigt, dass Innovationszyklen immer etwa zehn Jahre dauern. Die letzte bahnbrechende Innovation war das iPhone und das mobile Intranet. Gerade beginnt ein neuer Innovationszyklus.
  • Um den Markt nachhaltig zu verändern, braucht man die entsprechende Infrastruktur und das nötige Ökosystem.
  • Nur eine gute Technologie bringt nichts ohne den richtigen Inhalt – Content ist nach wie vor King. Auf YouTube sind viele Sachen vor allem deshalb erfolgreich, weil sie gut sind und nicht nur, weil sie gut gemacht sind.
  • Die Königs-Kombination lautet: Technologie + Content + Daten
  • Man erreicht neue Nutzer am einfachsten, wenn man deren Daten kennt.
  • Nicht nur die Digitalisierung eines Produkts ist entscheidend. Noch wichtiger ist die digitale Denke. Man muss aus dem eigenen Tunnel rauskommen.
  • Man muss sich etwas zutrauen und gleichzeitig von den anderen lernen.

Über die Speaker:

Thomas Heigl verantwortet bei Microsoft das große Ökosystem cloudbasierter medienspezifischer Lösungen der über 30.000 Microsoft Partner in Deutschland. Bei dem größten Softwareanbieter der Welt konnte er umfangreiche Erfahrungen sammeln, was die digitale Transformation in einer sich rapide verändernden Medienbranche betrifft. Thomas Heigl baut Brücken zwischen der IT und ihren Anwendern. Er studierte Software Engineering an der Fachhochschule Heilbronn.

Sandro Stark, seit 2013 bei Microsoft, stellt das Bindeglied zwischen Microsoft und branchenspezifischen Partnerlösungen sowie Start-ups dar. Er ist unter anderem zuständig für Market Development im Technologie-; Medien- und Telekommunikations-Sektor. Stark absolvierte seinen Management Master (M.Sc.) in London und gewann für seine Abschlussarbeit den ‚Strategic Innovation Challenge Preis‘ und die ‚Digital Business Plan Competition‘.