27.04.2017, Köln | Experte: Tobias Kaufmann, Leiter Medienabteilung 1.FC Köln |

Ist der 1. FC Köln auch ein Medienunternehmen? Tritt der Klub in Konkurrenz zu unseren regionalen Medienmarken? Und wie schaffen es die FC-Verantwortlichen, aus Fans und Interessierten auch Kunden zu generieren? Tobias Kaufmann, Mediendirektor des Fußball-Bundesligisten, war der erste Speaker der neuen DuMont-Veranstaltungsreihe „Open Network“. 80 Kolleginnen und Kollegen waren am Donnerstagabend in die Kantine im Druckzentrum gekommen, um Kaufmanns Einschätzungen und Impulse zu hören.

Kaufmann ging zunächst auf die besondere sportliche Situation beim 1. FC Köln ein: „Dieser Verein hat vor über 30 Jahren große Erfolge gefeiert. Das ist lange her. Aber wir tragen das Erbe noch heute und müssen damit vor allem in der Außendarstellung umgehen. Es gibt eine Differenz zwischen der Tradition und der Gegenwart. Die Erwartungshaltung im Umfeld kommt noch aus früheren Zeiten.“

Um dieser Situation gerecht zu werden, haben sich Kaufmann und sein Team damit auseinandergesetzt, für welche Werte die Marke 1. FC Köln steht und was sie ausmacht. Wie soll der FC nach außen präsentiert werden? „Über allen anderen Dingen steht unser Slogan „Spürbar anders.“ Im zweiten Schritt haben wir unsere Werte etwas entstaubt“, sagt Kaufmann. Fünf Werte stellen sie heraus: Authentizität, Hingabe, Treue, Wille und Professionalität.

Danach machte Kaufmann deutlich, dass es die Tendenz gebe, immer mehr Inhalte selbst zu setzen:  „Wir sind mittlerweile selbst fast eine Zeitung.“ Über die sozialen Kanäle, die Homepage, über das Vereinsmagazin und die mobile App erreiche der FC mittlerweile einen Großteil seiner Anhänger. Das habe zwei Vorteile: Einerseits könne man die Inhalte selbst steuern und andererseits komme man so auch an Kundendaten, die man für andere Zwecke wieder einsetzen könne. „Auf die klassischen Medien sind wir immer weniger angewiesen“, sagt Kaufmann. „Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns dort komplett zurückziehen werden. Aber es muss ein vernünftiges Miteinander geben. Die wichtigste Aufgabe der Spieler ist es – und dafür werden sie von uns bezahlt -, dass sie samstags auf dem Platz eine gute Leistung bringen.“

Und was kommt demnächst? Was sind die nächsten Schritte beim FC? „Wir wollen weitere Potenziale heben“, sagt Kaufmann. „Das geht vor allem, wenn man die Kunden intelligent und möglichst persönlich anspricht. Fußball lebt von seiner Emotionalität. Davon müssen wir auch beim Verkauf noch mehr profitieren. Auch wenn der FC eine sehr regionale Marke ist, wollen wir uns auch international besser vermarkten. Und zuletzt bin ich davon überzeugt, dass sich zum Beispiel durch Virtual Reality völlig neue Möglichkeiten eröffnen werden.“ In einem ersten Test hat der Club mit 2000 Interessierten geprüft, ob es ein Interesse gibt, das Training aus der 360-Grad-Perspektive zu erleben – ein Volltreffer. Hier wird der FC weitere Schritte überlegen.

„Die Klubs in den USA sind da schon deutlich weiter. Wir schauen gerade, was dort passiert und was wir womöglich übernehmen können.“ Aus der mobilen App, die 120.000 User mindestens einmal im Monat öffnen, wollen die FC-Verantwortlichen mehr Kundendaten generieren und aus der Customer Journey noch mehr Wissen ziehen, um die Wünsche ihrer Fans (Kunden) genauer zu kennen und sie gezielter anzusprechen.

Nach dem offiziellen Teil hatten alle Gäste noch die Möglichkeit, Tobias Kaufmann im intensiven Gespräch Fragen zu stellen und die Themen zu vertiefen.

Sie wollen bei der nächsten Open Network-Veranstaltung dabei sein? Dann melden Sie sich einfach über open_network@dumont.de mit Betreff „Open Network“ an.

Zusammenfassung des Vortrags von Tobias Kaufmann (27. April 2017 in Köln). Die wichtigsten Learnings:

  • Nur perfekt aufbereitete Daten können dazu genutzt werden, um die Kunden direkt anzusprechen.
  • Eine persönliche Kundenansprache hat viel bessere Erfolgschancen als eine allgemeine.
  • Individuelles Mailmarketing ist in diesem Zusammenhang ein gutes Element.
  • Kunden müssen auch emotional an eine Marke gebunden werden.
  • Beim Verkauf müssen alle Hürden gesenkt werden. Online-Shopping muss leicht und selbsterklärend sein, sonst brechen die Kunden den Bestellvorgang ab.
  • Kunden müssen an die markeneigenen Kanäle gebunden werden.
  • Werbung muss geschickt verpackt und mit ansprechenden Inhalten versehen werden.
  • Der direkte und ernsthafte Austausch mit Kunden z.B. über die sozialen Kanäle ist ein wichtiges Element zur Kundenbindung.
  • Ein Unternehmen muss für seine Werte stehen. Im Fall des FC sind dies Authentizität, Hingabe, Treue, Wille und Professionalität.

Über den Speaker:

Seit Juni 2013 leitet Tobias Kaufmann die Medienabteilung des 1. FC Köln. Zuvor war er seit 2006 beim Kölner Stadt-Anzeiger, nach unterschiedlichen Stationen wurde er dort Chef vom Dienst und Mitglied der Chefredaktion. Davor arbeitete er nach seiner Ausbildung an der Berliner Journalistenschule als Redakteur für Hörfunk, Fernsehen und verschiedene Print-Titel.