18. September 2019| Neven DuMont Haus| Schrittzähler, Pulsmesser, Schlafprofile – schon längst sind solche Schlagworte nicht mehr nur im  Labor relevant. Mittlerweile ist jedes moderne Smartphone in der Lage, sie zu erheben: Gesundheitsdaten – das Futter für den technologischen Fortschritt in der Gesundheitsbranche. Doch was passiert sonst noch mit unseren Daten? Können wir überhaupt Herr unserer Daten sein? Die Problematik des Datenmissbrauchs gewinnt in einer Zeit an Bedeutung, in der Technologieunternehmen zu Gesundheitsakteuren werden. Anlass zum Nachdenken schaffen dabei nicht zuletzt aktuelle Nachrichten von Millionen frei abrufbarer Patientendaten im Internet. Über den Menschen als  digitale Plattform und den Umgang mit seinen Gesundheitsdaten diskutierten drei Experten beim „Open Network“ von DuMont und Web de Cologne im Neven DuMont Haus:

  • Dr. André T. Nemat, Chirurg und Gründer des Institute for Digital Transformation in Healthcare
  • Professor Dr. Horst Kierdorf, 1. Vorsitzender des Digital Health Germanye.V. und Klinischer Direktor der Kliniken der Stadt Köln
  • Nils v. Dellingshausen, Co-Founder & Chief Executive Officer BetterDoc

Es sei klar, dass es beim Umgang mit Daten nie eine 100-prozentige Sicherheit gebe, sagte Nils von Dellingshausen, Mitgründer von Betterdoc. Das Kölner Unternehmen hilft Patienten, für eine Zweitmeinung oder Operation den richtigen Arzt zu finden: „Der Patient muss immer wissen, wem er welche Daten wofür gibt.“ Dass der Mensch der Herr seiner eigenen Daten ist, sei aktuell „noch eine Vision“, sagte Horst Kierdorf, Klinischer Direktor der  Kliniken der Stadt Köln. Nils von Dellingshausen und André Nemat, Gründer des Instituts für digitale Transformation der Gesundheitsbranche an der Universität Witten/Herdecke, stimmen mit Kierdorf indes überein, dass dies das Ziel sein müsse.

Als die Frage im Raum stand, wer seine persönlichen Gesundheitsdaten anonymisiert für die Entwicklung von Gesundheitsprodukten zur Verfügung stellen würde, etwa für die Krebsforschung, erklärte die Mehrheit der rund 100 Gäste im Publikum ihre Bereitschaft. Für André Nemat ist das jedoch zu undifferenziert: „Ich möchte vorher wissen, wem ich meine Daten spende. Auch über den Zeitraum, für den meine Daten zur Verfügung stehen, möchte ich entscheiden“, sagte der Chirurg. Ohne  die Verwendung von Patientendaten  könne es jedoch keine Fortschritte in der digitalen Gesundheit geben.

„Damit wir dem Patienten helfen können, brauchen wir seine Daten“, sagte auch Nils von Dellingshausen. Die Bereitschaft  sei hoch, wenn Menschen krank seien, ansonsten überwiege die Skepsis. Bevor sich der Patient überhaupt an einen Mediziner wende, suche er zunächst im Internet nach der Diagnose, sagt Nemat: „Der Erstbesuch beim Arzt ist nur noch die Einholung einer Zweitmeinung“. Die Digitalisierung biete darüber hinaus die Chance, Krankheitsmuster künftig vor Ausbruch zu erkennen und präventiv zu behandeln, sodass Patienten nicht mehr ins Krankenhaus müssten. Bei der Entwicklung von Strategien für den Umgang mit Gesundheitsdaten müsse der Patient zu jeder Zeit im Fokus stehen, so Kierdorf, der Fortschritte sieht: „Wir reden langsam, aber sicher nur noch von einer personalisierten Medizin“.

Die Veranstaltung wurde zusammen mit Web de Cologne organisiert.

Über Web de Cologne:

Web de Cologne ist mit über 110 Mitgliedsunternehmen das größte regionale Netzwerk der Digitalwirtschaft in NRW und vernetzt die Akteure dieser wichtigen Zukunftsbranche. Gegründet wurde Web de Cologne 2008 von den Unternehmen RTL Interactive, WDR Mediagroup, Medienhaus DuMont, Memi-Institut der Hochschule Fresenius, Denkwerk, Pixelpark, Kalaydo und Pixum. Ziel des Vereins ist die Interessensvertretung der Digitalwirtschaft, die Förderung des Digitalstandorts und die Vernetzung von Startups, Mittelstand und Industrie zu digitalen Themen.