Experte: Prof. Björn Bartholdy, Gründer und Direktor des Cologne Game Lab an der TH Köln

Welche wirtschaftliche Relevanz haben Computerspiele? Wo steht Deutschland in diesem Zusammenhang? Und wie sieht eigentlich die Zukunft des Gamings aus? Im Rahmen des Open Network in Köln hat Prof. Björn Bartholdy, Gründer und Direktor des Cologne Game Lab an der TH Köln, diese und viele weitere Fragen beantwortet. Zunächst tauchte Prof. Bartoly kurz in die Geschichte ein und weckte so bei den Zuhörer Erinnerungen an ihre Kindheit. Bartoly beschrieb den Weg der Computerspiele vom Commodore bis in die Gegenwart. Danach warf er auch noch einen Blick in die Zukunft:
• Gaming hat längst den Weg in alle Teile der Gesellschaft gefunden. 34 Millionen der Deutschen zocken. Was viele nicht wissen: der Anteil der über 50-Jährigen (8 Millionen) ist dabei besonders hoch.
• Gaming hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Alleine in Deutschland wird Umsatz von mehr als 3 Milliarden Euro durch Videospiele erzielt – Tendenz steigend. Andere Länder sind hier schon viel weiter und übertreffen diesen Wert deutlich.
• Die erfolgreichsten Spiele sind kostenlos und generieren durch Zusatzfunktionen hohe Umsätze. Das können zum Beispiel virtuelle Klamotten sein. Konkretes Beispiel: Real Madrid verdient im Jahr alleine sieben Millionen Euro mit virtuellen Trikots.
• Gaming heißt nicht nur daddeln und spielen, sondern auch lernen: Bei Kindern können die richtigen Videospiele folgende positive Effekte haben: bessere Konzentrationsfähigkeit, Kommunikation, Handkoordination, räumliches Denken, Entdeckungsdrang, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen.
• Gamification-Ansätze werden vielfach auch von Unternehmen verwendet, auch hier häufig wegen der Lerneffekte.
• Spiele sind bis auf Evergreens wie Tetris immer stärker technologisch getrieben. Virtuelle Elemente sind schon lange fester Bestandteil. Die Zukunft könnte in der Gedankensteuerung liegen: Eine Kugel wird mit Gedanken durch einen Parcours gelenkt, das funktioniert mit einem Spezialhelm.
• Köln gilt als Gaming-Hauptstadt in Deutschland. Ein Magnet für die Branche ist vor allem die Gamescom mit 350.000 Besuchern. Köln und Nordrhein-Westfalen sollen einen noch deutlicheren Gaming-Schwerpunt bekommen.

Unser Experte

Björn Bartholdy studierte Kommunikations- und Mediendesign in Stuttgart und Köln. 1994 gründete er cutup, Agentur für Mediendesign, die er bis 2002 als CD und Geschäftsführer leitete. In den Bereichen Film/Fernsehen und Neue Medien erhielt die 1999 mehrheitlich von Bertelsmann übernommene Agentur, zahlreiche nationale und internationale Preise. Von 2002 bis Mitte 2004 führte Björn Bartholdy den Bereich Content Strategien bei verytv, Köln. Parallel leitete er von 1999 bis 2002 die Abteilung »Virtual Design« an der Filmakademie Baden Württemberg, Ludwigsburg. Von 2003 bis 2014 verantwortete Björn Bartholdy den Bereich Audiovisuelle Medien an der Köln International School of Design, seit 2014 ist er Professor für Media Design am Cologne Game Lab (TH Köln), dessen Co-Direktor er seit Gründung des Instituts ist. Das Cologne Game Lab ist ein Institut der TH Köln und Teil der Fakultät für Kulturwissenschaften.