Expertin: Staatssekretärin Sabine Smentek | Es ist ein großes Ziel: Bis zum Jahr 2023 soll die Berliner Verwaltung komplett digital arbeiten. Beim Open Network in Berlin hat Sabine Smentek, Staatssekretärin  für Informations- und Kommunikationstechnologie im Land Berlin und somit zuständig für die Digitalisierung der Berliner Verwaltung, erklärt, warum das so lange dauert.

Multikanalstrategie nennen die Mitarbeiter der Berliner Verwaltung ihr Konzept, auf welchem Wege die Bürger Kontakt zu ihnen aufnehmen können:  persönlich, telefonisch oder online. „Wir zwingen niemanden ins Internet. Die Bürger suchen sich aus, was sie wollen“, sagte Sabine Smentek (SPD).  Nun müssen viele  Berliner gar nicht ins Internet gezwungen werden – da sind sie ja längst. Vermeintlich einfache Geschäfte mit der Verwaltungen,  wie etwa einen  neuen Personalausweis zu beantragen, können sie dort aber nicht erledigen – bislang.  „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Digitalisierung schaffen, aber es dauert  noch eine Weile“, betonte Smentek. Berlin müsse aufholen, wenn es um die digitale Zukunft geht: „In den vergangenen Jahren lag das Thema E-Government nicht im Fokus der Betrachtung.“ Jetzt gibt es ein Gesetz und genügend Geld. 350 Millionen Euro stehen dieses Jahr zur Verfügung, in den kommenden Jahren wird es noch mehr sein.

Sabine Smentek arbeitete lange als Unternehmensberaterin, vor  zwei Jahren wurde sie Staatssekretärin im Berliner Senat und  ist seitdem zuständig  für alle  IT-Systeme der Berliner Verwaltung, für E-Government und die elektronische Akte. „Es gibt die Vision einer modernen elektronischen Verwaltung“, sagt Smentek. „Die Mitarbeiter haben ein Recht auf einen  modernen Arbeitsplatz.“ Doch so schnell geht es eben nicht. In der Berliner Verwaltung sind rund 115.000 Menschen beschäftigt, sie arbeiten in 138 Betrieben,  etwa in Senats- und Bezirksverwaltungen, an Gerichten, bei Polizei und Feuerwehr und auch auf Friedhöfen. „Jeder Betrieb hat andere Aufgaben, jeder braucht eine andere IT-Technik und eine andere Strategie. Das ist wie ein großer Gemischtwarenladen“, sagt die Staatssekretärin. Ziel sei es, dass zum Jahresbeginn  2023 die gesamte Berliner Verwaltung mit der elektronischen Akte arbeitet.  „Digital  geht es eben schneller und einfacher für alle Beteiligten.“

Für die Bürger in Berlin soll es möglich sein, in zwei bis drei Jahren die 100 wichtigsten Dienstleistungen online beantragen zu können – auch den Antrag für einen neuen  Personalausweis oder Reisepass soll es dann online geben, ebenso die Gewerbeanmeldung und Geburts- oder Sterbeurkunde. Doch dafür müssen Bundesgesetze  geändert werden, etwa das Registerrecht. Um zum Beispiel einen neuen Personalausweis zu beantragen, muss man  laut Gesetz  immer noch persönlich beim Amt erscheinen. „Das ist ein Thema der inneren Sicherheit. Online wäre Betrug einfacher“, sagte Smentek.  Der IT-Planungsrat fordert neue Regelungen  auf Bundesebene. „Wir arbeiten sehr leise,  aber sehr erfolgreich.“  Schon jetzt arbeitet die   Ausländerbehörde komplett digital. Es ist ein Modellprojekt: „Wir werden aber nicht das Papier abschaffen.“

Die Expertin

Sabine Smentek ist Staatsekretärin für Informations- und Kommunikationstechnologie in Berlin. In dieser Funktion ist sie für die IT-Systeme der Berliner Verwaltung verantwortlich und zugleich für die Online-Angebote für Bürgerinnen und Bürger sowie für den Online-Kontakt zwischen Unternehmen und Berliner Verwaltung.