Experten: Maren Courage und Oliver Autumn, Gründer des VR Business Clubs| Virtuelle Realität oder kurz: VR – damit verbinden die meisten Menschen diese überdimensionalen Brillen, mit denen man zwar nichts mehr von seiner Umgebung sehen, dafür aber in völlig unbekannte Welten eintauchen kann. Wie gut die VR-Technik inzwischen funktioniert, konnte am Donnerstag im Newscafé des Dumont Berliner Verlags ausprobiert werden. Beim Open Network in Kooperation mit dem VR Business Club ging es um die Frage, wie diese neuen technischen Möglichkeiten von Medienunternehmen oder auch für das Lernen genutzt werden können. Jens Blankennagel, Redakteur im Team Regio Berlin-Brandenburg, war dabei und beschreibt das Event:

Zunächst stand für die Besucher ein Selbsttest mit Filmen an, die mit 360Grad-Kameras aufgenommen wurden – bei denen also gleichzeitig in alle Richtungen gefilmt wurde.

Kaum saßen Brille und Kopfhörer richtig, war die Welt da draußen tatsächlich vollständig verschwunden. Ich stand plötzlich in einem Rettungswagen und sah vor mir einen Verletzten liegen. Da ich mich in einem fahrenden Auto befand und alles so real wirkte, wagte ich es auch nicht, mich zu bewegen. Ich sah das Unfallopfer, den Arzt, die Sanitäter und hörte die Hektik im Rettungswagen. Schon bald waren wir im OP-Saal, und ich traute mich, den Kopf etwas zu bewegen und tatsächlich: Überall um mich herum war die Realität eines Operationssaales, egal, wohin ich schaute – oben, unten, vorn und hinten – ich war überall live dabei. Jedenfalls erschien es mir so. Ich sah dabei zu, wie der Verletzte an der Hüfte operiert wurde.

Festnahme eines IS-Terroristen im Irak erleben

„Die Möglichkeiten der VR-Technologie bringen uns an Orte, an denen wir sonst eigentlich kaum sein können und ermöglichen auch den Medienunternehmen neue und bisher so noch nicht dagewesene Chancen des Story-Tellings“, sagte Martin Heller von der Berliner Firma IntroVR, die bereits mehr als 100 Filme mit 360-Grad-Kameras gedreht hat, um damit den Eindruck zu erwecken, möglichst realistisch bei einer Situation dabei zu sein. 25 der 100 Filme wurden für einen bekannten Schweizer Zeitungsverlag erstellt. „Es geht darum, realitätsnahe Bilder von Orten zu zeigen, an die man sonst nicht so leicht kommt“, sagte Heller. So waren die Filmleute zum Beispiel in Flüchtlingscamps in Bangladesch dabei oder bei der Festnahme von IS-Terroristen im Irak, oder sie filmten auf Grönland zum Thema Klimawandel.

Jens Kauerauf, Geschäftsführer des Berliner Verlags, sagte: „Wenn wir über Virtuelle Realität reden, reden wir nicht über die Zukunft, sondern über die Realität.“ Zwar sei die künstliche Intelligenz für viel noch weit weg, aber gleichzeitig sei sie sehr real und beispielsweise im Segment des lebenslangen Lernens sehr wichtig. Dies sei ein Markt, in dem 2020 bereits 1,3 Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt würden.

Menschen für Probleme sensibilisieren

Die VR-Brillen sind inzwischen für 219 Euro zu bekommen und gelten für viele als das neue große Ding in der Medienbranche. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg geht davon aus, dass in einigen Jahren bereits eine Milliarde Menschen über solche Billen verfügen werden. Die Verfechter dieser Technologie sagen, dass es sich dabei um Maschinen handle, die die Menschen empathischer und damit menschlicher machen. Denn wegen des Eindrucks, unmittelbar dabei zu sein, würden die Menschen viel emotionaler angesprochen und seien deutlich hilfsbereiter zu Mitmenschen, wenn sie mit einem solchen Film für ein Problem sensibilisiert wurden.

So klein wie normale Brillen

Oliver Autumn vom VR Business Club erinnerte an den Siegeszugs der Smartphones, der auch erst vor zwölf Jahren begann. Nun seien die Geräte allgegenwärtig. In einem Film zeigt er, wie sich beispielsweise ein US-Konsument mit seinem Smartphone durch die Regale eines Supermarktes zu den vorher von ihm ausgewählten Produkten navigieren lässt. Dann sagte Autumn, dass diese Rolle künftig immer öfter VR-Brillen übernehmen könnten und wohl auch werden. Die Brillen würden bereits in zwei oder drei Jahren nicht mehr so überdimensional sein, sondern nur noch so klein wie normale Brillen. Und künftig werde man mit ihnen ganz normal seine Umwelt beobachten können und sich dann zusätzliche Informationen auf die Brillengläser laden können. Autumn zeigt einen Film, in dem jemand mit einer VR-Brille ein kunsthistorisches Buch liest und sich dabei, wenn er will, ständig zusätzliche Information oder Filme zu den abgebildeten historischen Dingen anzeigen lassen kann.

Die Speaker

Maren Courage und Oliver Autumn sind die Gründer des VR Business Clubs, Deutschlands führendes Netzwerk für Business Anwendungen rund um die Themen Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality. Dort verschaffen sie Entscheidern Zugang zum Markt und zeigen Möglichkeiten auf, wie die neuen Technologien im eigenen Unternehmen gewinnbringend eingesetzt werden können.